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Wie man in Illinois über das Tun in Tokio nachdenkt

*** ein Gastbeitrag von Jonas Setzkorn ***

Anfang Oktober lud die Tokyo Zokei Universität Charles L. Owen Prof. Keiichi Sato und Santosh Basapur vom Illinois Institute of Technology, USA früher „New Bauhaus“, nach Aomi, Tokyo ein. Unter dem Motto „Design Research for Integrating Meaningful Systems“ referierten beide über ihre neusten Forschungsergebnisse im Medizinsektor.

Prof. Sato stellte dar, wie im Operationssaal und bei der Insulintherapie immer häufiger auf die Kontexte, in denen sich Menschen bewegen, wert gelegt wird. So reicht es nicht mehr aus, allein die medizinischen Geräte zu entwickeln, vielmehr müsse die gesamte Lebenswelt des Patienten berücksichtigt werden. Dazu gehören Essgewohnheiten ebenso wie die Arbeit im Garten für das seelische Wohlergehen. Dies ist zwar nicht neu, die wissenschaftliche Qualität, so Sato, mit dieser er seine Beobachtungen anstellt, um beispielsweise die emotionale Komponente der Medikamenteneinnahme zu erfassen, ist beeindruckend. Nicht umsonst hat die Designfakultät des IIT das erste Promotionsprogramm (PhD) für Designer in den Vereinigten Staaten von Amerika ins Leben gerufen, dessen Koordinator Santo in den Jahren zwischen 1998 und 2013 gewesen ist. 23 Absolventen haben seit der Einführung 1992 das dreijährige Programm durchlaufen.
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Sein Kollege Santosh Basapur, Experte für Interaktionsdesign, wies in seinem Vortrag auch auf die Grenzen qualitativer Untersuchungsmethoden hin. In seinem Vortrag wurde das medizinische Problem vom Prozess des Gestaltens schnell an den Rand drängt. Die Herausforderung im User Experience Design sei, so Basapur, das Abstraktionslevel der Untersuchungen. Aktuell seien Methoden zur Untersuchung der Beziehung zwischen Nutzer und Objekt, noch wenig brauchbar. Beispielsweise ist dies der Fall bei allzu schematischen Erklärungen der menschlichen Psyche oder bei Designmethoden wie der Customer Journey. Laut Basapur werden jedoch oftmals Erkenntnisse auf solch abstrakten Ebenen festgehalten und weitergegeben, was dann zu falschen Entscheidungen im Management führen kann.

Welche Rolle kommt dem Designer bei einer solch tiefen Auseinandersetzung mit der eigenen Methodik zu? Wie in Zukunft designt wird, verrät vielleicht das neue Doppelmastersystem, bei dem man nach vier Semestern sowohl einen Abschluss in Design, als auch in Business Administrations erwirbt.

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