d:t trifft

d:t fragt … heute, Ingo Rauth

d:t ist neugierig, steht für Dialog – und stellt Menschen in den Mittelpunkt.

Zum HangOut Kaffee trafen wir Dr. Ingo Rauth. Nach seinem Industriedesign-Studium in Darmstadt verschlug es ihn mit Zwischenstationen am Hasso-Plattner-Institute in Potsdam in den hohen Norden, genauer an die Universität Chalmers in Göteborg, Schweden, um dort zu promovieren – und frisch abgeschlossen zu haben:

Was hat Dich motiviert als Designer deine Promotion zu beginnen?

Kurz gesagt, Frustration. Als Designer habe ich mich oftmals gefragt, wer eigentlich für Innovationsprozesse zuständig ist und warum diese oftmals unreflektiert und kurzsichtig ablaufen. Dies hat mich dazu gebracht wissenschaftlich Publikationen zu lesen und mich mit verschiedenen Forschern auszutauschen. Nach einer Weile bekam ich ein Angebot für ein Stipendium, was mir die Promotion ermöglicht hat.

Um was geht es in deiner Promotion? 

In meiner Promotion geht es darum, wie sich neue Innovationsansätze entwickeln und verbreiten. Hierbei habe ich mich in erster Linie mit der Entstehung und Adaptation von Design Thinking auseinandergesetzt.

Wie würdest Du die Kernergebnisse für uns zusammenfassen, quick & smart? 

Innovationsansätze wie Design Thinking verbreiten sich dadurch, dass sie interpretierbar sind. Das bedeutet, sie sind teilweise wage, mehrdeutig und unpräzise formuliert. Diese Eigenschaften ergeben sich daraus, dass man nicht alles beschreiben kann was man tut und daran dass die meisten Innovatationsansätze generelle Anwendbarkeit suggerieren wollen. Man könnte sagen, dass die resultierende Interpretierbarkeit das ist, was Innovationsansätze wie Design Thinking viral werden lässt. In meiner Arbeit habe ich analysiert, wie Interpretierbarkeit entsteht und wie Unternehmen damit umgehen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass Interpretierbarkeit sich in zwei Dimensionen entwickelt. Die Eine (normative Dimension) besteht aus Handlungsanweisungen – diese sind meist einfach gehalten und leicht zu befolgen e.g. 5 Schritte und ein paar Techniken wie man mit Design Thinking arbeitet. Die andere Dimension besteht aus Argumenten die begründen warum man Design Thinking tun soll (rhetorische Dimension). Wenn man sich die Interpretierbarkeit beider Dimensionen anschaut stellt man fest, dass sich die Innovationsansätze Verbreiten die Konkrete Handlungsanweisungen und aus „wilde Versprechen“ bestehen. Allerdings führ dies auch dazu, dass sie auf unterschiedlichste Art und Weise interpretiert werden, was den Ansatz mit der Zeit verwässert und als „letzten Trend“ erscheinen lässt. Ist das Gegenteil der Fall – komplexe Handlungsanweisungen und konkrete Versprechen – ist die Verbreitung des Ansatzes gehemmt, da er nicht mehr als Allheilmittel erscheint. Allerdings hat man hier den Vorteil, dass sich der Ansatz gleichförmig verbreitet. Hieraus ergibt sich ein Problem, nämlich dann wenn Unternehmen versuchen einen Ansatz gleichförmig und weit zu verbreiten. Dieses Paradox wird oftmals nicht berücksichtigt und nicht gemanaged, was meist dazu führt dass die Integration eines neuen Ansatzes entweder verwässert wird oder nicht angenommen wird. Durch meine Arbeit ist es nun möglich die Adaption und damit die Interpretierbarkeit von Konzepten zu analysieren und zu planen. Des Weiteren erschließt sie Design Thinking aus einer neuen theoretischen Sicht (Management Ideen und Management Fashions).

Für alle die, denen dies zu theoretisch ist, empfehle ich Kapitel 2. Dieses fasst einmal die Entstehungsgeschichte von Design Thinking zusammen und erklärt unter Anderem, wo der Name herkommt und wie der Ansatz wirklich entstanden ist. (Danke, Ingo!)

Wie bist Du methodisch vorgegangen? 

Die Arbeit stützt sich auf eine empirische Studie von insgesamt 17 Unternehmen (mehr als 120 Interviews) in Deutschland und den USA sowie eine Literaturstudie die sich mit der Entstehung von Design Thinking auseinandersetzt.

Was war Dein persönliches Aha-Erlebnis? 

Ich glaube das lässt sich nicht pauschalisieren. Durch den PhD habe ich viel gelernt über Forschung, Unternehmen, Innovationsmanagement und vor Allem über mich selbst. Insofern gab es mehrere AHA Erlebnisse die mich nachhaltig beeinflusst haben. Ich finde es zum Beispiel faszinierend das viele Manager die Design Thinking in das Unternehmen bringen dieses „top down“ tun, also als eine Art Vorschrift oder Rezept das Angestellte verfolgen soll. Dies steht im Kontrast dazu wie die Angestellten selbst neue Produkte und Services entwickeln sollen – fokussiert auf den Nutzer. Dabei stellt sich die Frage, sind Angestellte nicht die Nutzer neuer Innovationsansätze bzw. von Design Thinking?

Wo dürfen wir Dich in Zukunft erwarten? 

Oh, wenn ich das wüsste, würde ich es gerne teilen. Ich suche gerade nach einer Möglichkeit angewandte Forschung im Bereich Adaptation von neuen Managementansätzen (Design Thinking, Agile, Lean Startup) zu betreiben. Falls zu diesem Thema gerade jemand auf der Suche nach einem Assistent Professor in Teilzeit ist, freue ich mich über eine Nachricht 😉

Lieber Ingo, wir sagen merci beaucoup & freuen uns auf den baldigen nächsten Kaffee mit Dir!