d:t trifft

Grenzübergreifendes Gespräch über die Bedeutung von Räumen als Boundary Objects am anderen Ende der Welt

***Ein Gastbeitrag von Frederik Bellermann***

Was haben eine Unternehmensberatung aus der australischen Metropole Sydney und ein Innenarchitekt aus dem beschaulichen Detmold gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel würden die meisten Menschen denken. Auf den zweiten Blick aber hat sich auf der Basis von Design Research und der sich verändernden Rolle des Designers ein hochinteressantes Gespräch entwickelt.

Beim meinem Besuch bei 2nd Road, einer Strategie- und Innovationsberatung, habe ich mit Amanda Vining, der zuständigen Direktorin für Strategic Engagement and Change und ebenfalls ausgebildete Innenarchitektin, unter anderem über die Gestaltung des neuen Büros im Herzen von Sydney gesprochen und dabei festgestellt, dass Raumgestaltung bei der Entwicklung von Strategie- und Kommunikationsprozessen eine entscheidende Rolle spielt. 2nd Road ist keine gewöhnliche Unternehmensberatung, sondern vertritt den Ansatz, dass die aktuellen Herausforderungen von Unternehmen in den Bereichen Strategie, Innovation, Information und Potenzial in erster Linie über einen Human Centered Design Ansatz zu lösen sind, so wird sich die Wirtschaft auf Menschen konzentrieren und damit Meinungen, Erfahrungen und Wahrnehmungen zur neuen Währung werden lässt.

Dieser, für eine Unternehmensberatung, die mit Schwergewichten wie KPMG oder McKinsey um Kunden im Bereich Consulting konkurriert, erklärungsbedürftige Ansatz führt zwangsläufig zu einer neuen Rolle des Designers. So werden Designer jedweder Disziplin in Zukunft nicht mehr Poster, Toaster oder Räume gestalten, sondern sich vermehrt mit Fragestellungen außerhalb des Paradigmas der Herstellung von Produkten oder Dienstleistungen beschäftigen. Das bedeutet, dass Gestalter Prozesse, Strategien oder Kommunikation designen und damit Dinge, die nicht zu ihrem traditionellen Aufgabenbereich zählen. Ein Weg diesen Ansatz voranzutreiben und gleichzeitig eines der aussichtsreichen Kommunikationsmittel ist dabei die Nutzung von Boundary Objects als Brücke zwischen zwei Welten, deren Schnittstelle zunächst nicht klar definiert ist.

Aufbauend auf der Definition von Paul Carlile, Innovationsforscher an der Boston University, werden Boundary Objects als Mittel zur Repräsentation, Aneignung und Transformation von Wissen zur Überwindung von Grenzen beschrieben. Das Grundkonzept der Grenzobjekte stammt ursprünglich aus der Soziologie und beschäftigt sich mit der Frage, wie unterschiedliche (soziale, wissenschaftliche oder organisatorische) Welten zu einer gemeinsamen Verständigung kommen können ohne dabei die Differenzen der Partner komplett aufheben zu wollen. Als Kommunikationsmittel können alle Objekte dienen, die gleichzeitig eine interpretative Flexibilität und eine entsprechend niedrige Eintrittsschwelle für alle Beteiligten haben. Boundary Objects können also sowohl konkrete Gegenstände wie z.B. Zeitpläne, Akten oder Logos sein, als auch abstrakte Konzepte, Strategien oder Ideen.

Die Aufgabe die kreative Welt von Design, Forschung und Strategie mit der, für die meisten Designer trocken anmutenden, Welt von Controlling- und Audit-Abteilungen von Wirtschaftsunternehmen zusammenzubringen, kann also über die Nutzung gemeinsamer Boundary Objects gelöst werden. Je nach Funktion können Designer die Grenzobjekte also für Übertragung, Übersetzung und Anwendung ihrer Arbeitsweise und Konzepte nutzen. Für einen Innenarchitekten, der untersucht, ob Raumgestaltung eine der obligatorischen Voraussetzungen für innovatives Denken, Forschen und Arbeiten ist, kann die Verwendung von Grenzobjekten also genau so interessant sein wie für Design Thinking Berater, die ihren Kunden die Vorteile der Übertragung von Designprozessen auf ihren Geschäftsbereich erläutern wollen.

Für Neugierig, gibt es hier noch weitere Quellen:

2nd road_BOUNDARY OBJECTS- Exploring the Types of Knowledge Boundaries 2002_A Pragmatic View of Knowledge and Boundaries- Boundary Objects in New Product Development2002_A Pragmatic View of Knowledge and Boundaries- Boundary Objects in New Product Development