d:t macht

Democratic Design Days in Zürich

*** ein Gastbeitrag von Mona Mijthab *** 

„What happens when good design is made accessible
to everyone instead of just a few?“

Am 19. und 20. Februar fanden die Democratic Design Days im Kunsthaus in Zürich statt. Der erste Tag war durch Keynote Präsentationen von Marcus Engman (Head of Design IKEA), dem Philosophen Alain de Botton, Start-up Investorin Patricia Roller und dem Designer Jon Kuster gefüllt. Die Referenten sprachen über ihre Arbeit und wie aus ihrer Sicht Design einen Beitrag zu besseren Lebensbedingungen leisten kann. Am zweiten Tag widmeten sich Studenten, Designer und Kreative der „What Design Can Do Challenge“, einem globalen Wettbewerb, gefördert von UNHCR und der IKEA Stiftung, welche das Ziel verfolgt Lösungen hervorzubringen, die die Lebensbedingungen von Flüchtlingen im urbanen Raum verbessern.

Als Designerin mit dem Fokus auf soziale und gesellschaftliche Fragestellungen war ich sehr neugierig, was sich hinter demokratischem Design verbirgt und welche neuen Wege sich für uns als Gestalter hier auftun. Der Event war sehr professionell organisiert, von hochwertig gedruckten Namensschildchen bis hin zum sehr üppigen Catering in den Pausen. Der erster Eindruck beim Betreten des Kunsthauses erinnerte an eine Ikea Ausstellung. Inventar und Bestuhlung waren von Ikea oder im Recycling-Stil für diesen Anlass erstellt worden. So bekam der Teilnehmer schnell das Gefühl, dass das Marketing im Vordergrund stand. Marcus Engman, Leiter der Designabteilung von Ikea eröffnete den Tag mit seiner Präsentation über Ikeas Philosophie, Werte und Vorgehen. Zunächst ging es vorrangig um die Errungenschaften: „We’re not just making things, we’re making things better.“ Interessanter wurde es, als die Arbeitsweise von Ikeas Designern vorgestellt wurde. Der Gestaltungsprozess würde in Privathaushalten, den Ikea Stores und den Fabriken stattfinden. Engman selbst würde Hausbesuche durchführen, um die Bedürfnisse von Ikea Kunden besser zu verstehen. Die Leitlinien wie Form, Funktion, Qualität und Nachhaltigkeit wurden an Produktbeispielen vorgestellt. Etwas ernüchternd war für mich, die Erklärung zum Begriff des demokratischem Designs, das sich durch die günstigen Preise und damit die Verfügbarkeit für Alle äussert. Fraglich ist hier, wie positiv dieser Aspekt zu werten ist, wenn Gebrauchsgüter so günstig werden und in noch grösseren Mengen produziert und konsumiert werden. Was bedeutet das für die natürlichen Ressourcen, wie gehen wir damit um? Da wir als Zuhörer keine Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen, blieb diese wie auch viele weitere Fragen offen.

Patricia Roller, die bis 2006 bei Frog Design als CEO tätig war, beschrieb die Vorteile des unternehmerischen Denkens und wie Designer keine Angst davor haben sollten. An einem Modell zeigte sie auf, wie sie zu fördernde Unternehmen identifizieren und was die Kriterien für eine gute Geschäftsidee sind. 

Weiter ging es mit dem Vortrag von Richard Van der Laken, dem Creative Director der holländischen Organisation „What Design can Do“. In Beispielen wie dem „Fairphone“ beschrieb er die Möglichkeiten, wie Design die Gesellschaft verändern und Verantwortung vom Design bis hin zu Produktion, Konsum und Recycling übernehmen kann. Dagon Cohen stellte schliesslich den laufenden Wettbewerb „What Design can Do – Refugee Challenge“ vor. Designer und Kreative sind bis zum 1.Mai 2016 aufgerufen Ideen zur Verbesserung der Lebensumstände von Flüchtlingen in städtischen Räumen einzureichen. Jonathan Spampinato, Sprecher der Ikea Stiftung gab die Gewinne bekannt: den Finalisten stehen 10.000 € Preisgeld zur Umsetzung ihrer Idee und Feedback bis zur Implementierung der ausgearbeitet Ideen zur Verfügung. Auf die Frage, ob Ikea die Ideen und Produkte der Challenge produzieren wolle, antwortete Jonathan Spampinato mit Ja. 

Einen sehr interessanten Vortrag hielt der Schriftsteller und Philosoph Alain de Botton zu „Why design matters“. Er erörterte, warum wir eine Abneigung gegenüber zu günstigen Produkten haben und sie als minderwertig einschätzen. Vom Preis eines Produktes fehlgeleitet, setzen wir „teuer“ mit „wertvoll und hochwertig“ gleich. Weiterhin ging er auf die Psyche des Menschen ein und erweiterte den Designbegriff auf die Natur, indem er vom „Design des Gesichts“ auf die Charaktereigenschaften einer Person schloss. In seiner Erörterung des Schönheits-Begriffes beschrieb er die Balance zwischen Ordnung und Komplexität, die schliesslich den Eindruck von Schönheit erzeugt. Abschliessend fasste er zusammen, dass wir als Gestalter die Dinge so gestalten müssten, dass das Verschwinden, Ersetzen oder Zerstören der Natur durch unser Schaffen nicht bereut wird: „We need to define what happyness is, understand what wellbeeing is and translate those ideas into the language of everyday.“

Alle Vorträge können online angesehen werden! 

Für Interessierte: vom 30.06. – 01.07.2016 findet die „What Design can Do“ – Konferenz  in Amsterdam statt.