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Start-Ups in Rwanda – Design im Land der tausend Hügel

*** ein Gastbeitrag von Malte Koslowski *** 

Umkreist von Kongo, Uganda, Burundi und Tansania liegt das kleine, aufstrebende Land Rwanda ziemlich versteckt im Osten Afrikas, wo ich zwei Monate im Auftrag der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) Start-Ups und Gründer beraten habe.

Für seine erfolgreiche Entwicklung möchte das Land sein wirtschaftliches Potenzial optimieren und neue Arbeitsplätze schaffen. In einem Land mit der doppelten Bevölkerungsdichte Deutschlands, einer Fläche nur halb so groß wie die Schweiz ist die Zahl von 120.000 Schulabsolventen jährlich enorm. Eine zukunftsentscheidende Herausforderung ist daher die Steigerung der Produktivität und Beschäftigung im Privatsektor.

Der ICT Sektor (Information and Communication Technology) gilt als einer der wichtigsten Schlüsselfunktionen, mit der große Zukunftshoffnungen für Land und Kontinent verknüpft sind. Der Transform Africa 2015 Summit als Plattform, um Afrika’s digitale Transformation zu stärken, fand während meiner Zeit in Kigali, der Hauptstadt Rwandas statt. Nicht nur der Titel des Gipfeltreffens, auch die Gäste aus verschiedenen Ländern Afrikas machten die Bedeutung des Sektors als Entwicklungsperspektive klar. Gleichzeitig unterstreicht der Austragungsort Kigali das Ziel Rwanda als eines der fortschrittlichsten Länder der Region zu positionieren.

Im Rahmen seiner Entwicklungspläne ist die Förderung innovativer KMUs im ICT Sektor ein kritischer Punkt. Angesiedelt an der ruwandischen ‚Chamber of ICT‘ ist das kLab Rwanda’s erstes Tech Hub. Es ist eine Institution, die sich als Open Space und Accelerator für Uni-Absolventen, Entrepreneurs und Innovatoren versteht. Gefördert werden innovative IT-Lösungen im kLab mit Events, Infrastruktur, Community und durch Mentoren eingebrachtes Know-How. Dabei ist nicht zuletzt das ihub in Nairobi mit Partnern wie IBM, Google und Samsung ein erfolgreiches Vorbild, das die kenianische Hauptstadt heute zum digitalen Zentrum in Ost-Afrika macht.

14 Gründer bzw. Start-Up-Teams aus dem kLab Ökosystem bewarben sich für das individuelle Trainingscamp, vier wurden ausgewählt. Als Designer und Coach beriet ich die Teams für die GIZ. Mit vier der Bewerber habe ich während meines zweimonatigen Aufenthalts zusammengearbeitet. Vordergründig ging es um die Gestaltung von Online-Diensten oder Websites. So unterschiedlich die Teams, Themen und Situation, so individuell waren auch ihre Ziele und Meilensteine. Einem Team konnte mit Hilfe des Business Model Canvas ihre Idee und die benötigte Struktur, um ihr Vorhaben überhaupt zu formulieren und interaktiv zu konzipieren.

Unter den anderen Start-Ups befand sich ein Website-Template-Baukasten und ein Mobile-Money-Bezahldienst. Zunächst ging es darum die übergeordneten Unternehmensziele zu erkennen, daraus Maßnahmen abzuleiten und eine strategische Entscheidungsgrundlage für die Gestaltung zu entwickeln. Dabei war es für viele eher neu sich in die Lage des Nutzer zu versetzen, deren Werte zu verstehen und daraus Rückschlüsse für das eigenen Projekt zu ziehen. Zunächst war es also nötig überhaupt eine konzeptionelle Grundlage schaffen und das Design strategisch zu nutzen.

Sensibilisieren und Design als einen Prozess der Auseinandersetzung begreifbar zu machen war demnach eine der ersten Herausforderung. In den wöchentlichen Sessions habe ich mit den Teams ein tieferes Verständnis für ihre eigenen Aktivitäten, die Ausrichtung auf das Bedürfnis und Werte der Nutzer und eine strategische Planung von Designentscheidungen erarbeitet. Der so entstandene Erkenntnisgewinn führte zu ablesbarem Fortschritt, der auch über die Zusammenarbeit der zwei Monate hinausgeht.

Meine Auftrag in Rwanda kann als Testballon verstanden werden für eine andere Art der Entwicklungszusammenarbeit, die sich der Entwicklung durch Innovation aus dem Kreativbereich annähert und Teams direkt in ihren eigenen Vorhaben beratend unterstützt. Rückblickend sicher ein interessantes Modell im Kontext der sonst eher traditionell organisierten Entwicklungszusammenarbeit. Dabei stelle ich mir die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre sich von der Bindung an einen Sektor zu lösen um mit dieser Herangehensweise mehr Potenzial zu entfalten. Wie wäre es, wenn man den Esprit des Entrepreneurship unabhängig von Technologie als ganzes fördern würde statt Innovation an ICT auszurichten? Die auf einen Sektor gebündelte Innovationsstrategie alleine wird nicht helfen grundlegende Probleme zu lösen. In dem IT-Umfeld fiel mir die thematische Fokussierung auf, die eine breitere Perspektive und Reflexion der Projekte vermissen ließ. Ich sehe das Risiko, dass Probleme eher dem Aktionsraum einer Technologie angepasst werden als sich mit einer technologieunabhängigen Lösungsfindung einem wahren Problem anzunähern. Das Kernproblem bleibt, wenn zum Beispiel Lösungen konzipiert werden sollen um Gesundheit zu gewährleisten, die IT-Lösung alleine am Ende aber nur die Bereitstellung von Informationen über eine Krankheit leisten kann.