d:t trifft

Coffee Table Schnack mit Robert Lzicar

Im Rahmen der Unfrozen Konferenz des Swiss Design Networks im malerischen Giessbach hatte d:t die Möglichkeit, mit Robert Lzicar, Leiter des Master of Arts in Communication Design an der Hochschule der Künste Bern (HKB), über die Neuausrichtung des Studiengangs und die Zukunft der Designausbildung zu sprechen.

Wie kam es zu der Umgestaltung des MA Communication Design mit den zwei neuen Vertiefungen Entrepreneurship & Design Research?

Uns fiel auf, dass unternehmerische und forschende Perspektiven an Schweizer Designhochschulen zu wenig Beachtung fanden. Einen Diskurs um Entrepreneurship im Design existierte nicht, und klassische Wirtschaftsförderprogramme wie Startup-Kurse richten sich nur bedingt nach den Zielen junger Designunternehmer. Etwa stehen bei den Projekten unserer Studierenden häufiger Aspekte der Nachhaltigkeit im Vordergrund als Gewinnmaximierung. Basierend auf diesen Beobachtungen konzipierten wir den Schwerpunkt „Design Entrepreneurship“..

Die Vertiefung „Design Research“ geht zurück auf die Gründung der Graduate School of the Arts. Dieses interdisziplinär angelegte Doktoratsprogramm der HKB und der Philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern bietet die schweizweit einmalige Möglichkeit, im Anschluss an einen künstlerischen oder gestalterischen Master zu promovieren. Da die Schwelle zwischen der praxisorientierten Ausbildung im Design und dem forschungsgeleiteten PhD jedoch sehr hoch war, haben wir den Schwerpunkt „Design Research“ initiiert, um die Studierenden an die Praktiken der Forschung heranzuführen und sie bei der Entwicklung einer Forschungsfrage zu unterstützen.

Die beiden Schwerpunkte hören sich eigentlich ziemlich gegensätzlich an…

Ja, das stimmt, aber beide Vertiefungen des Masters stehen in der Tradition einer wissenschaftlichen Designausbildung. Fast alle Fächer werden gemeinsam unterrichtet, auch damit die Studierenden beider Vertiefungen von den teilweise unterschiedlichen Perspektiven profitieren können. Aufgrund unseres Fokus auf die soziale Wirkung von Design, sind Kenntnisse sozialwissenschaftlicher Methoden wie das Durchführen von Interviews oder die Arbeit mit Cultural Probes für alle Studierenden unumgänglich. Daneben sind Kompetenzen wie das Entwickeln von medienübergreifenden Kommunikationsstrategien oder Projektmanagement heutzutage für unternehmerische wie auch akademische Karrieren relevant.

Außerdem haben wir diverse Möglichkeiten geschaffen, um auf die individuellen Projektideen der Studierenden einzugehen.

Wie bewertet man am Schluss so individuelle Arbeiten?

Im Curriculum des MA Communication Design befinden sich nur wenige fixe Pflichtmodule. Alle anderen Module werden jährlich unter Mitsprache der Studierenden neu ausgeschrieben. Des Weiteren präsentieren die Studierenden am Ende jedes Semesters den aktuellen Stand ihrer Projekte im Kolloquium ihren Mitstudierenden sowie einer Kommission bestehend aus der Studiengangsleitung, Dozierenden und externen Experten. Beim zweiten Kolloquium legt diese Kommission je nach anvisiertem Ziel die Kriterien für die Thesis fest. Dadurch gewährleisten wir, dass auch die Bewertung fachgerecht und individuell erfolgen kann.

Ist Design Research = Design Thinking? Welches Verständnis lehrt ihr? 

Design Thinking adressieren wir nicht explizit, da wir der Meinung sind, dass die dahinter liegenden Fähigkeiten intrinsisch im Design verankert sind und wir Design nicht auf einen festgelegten Ansatz reduzieren möchten.

Wer sollte sich bei Euch bewerben? Was zeichnet Eure Absolventen aus? 

Zu uns kommen hauptsächlich Studierende, die schon erste Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt gesammelt, dabei auch Enttäuschungen erlebt und nun das Bedürfnis haben, sich auf ein Projekt zu fokussieren. Doch nicht nur Designer auch, Absolventen anderer Fachrichtungen mit außergewöhnlichem Designverständnis und -leidenschaft sind bei uns willkommen. Die Bewerbung erfolgt zunächst über ein Projektportfolio. Anschließend werden ausgewählte Bewerber zu einem persönlichen Gespräch eingeladen, um ihre unternehmerische oder forschungsgeleitete Projektidee zu präsentieren und dazu befragt zu werden.

Wie stärkt ihr eure Studierenden für ein späteres interdisziplinär geprägtes Berufsumfeld? 

Wir möchten einerseits die Diversität der Grundausbildung unserer Studierenden innerhalb des Studiengangs weiter erhöhen, um bereits während des Studiums einen disziplinübergreifenden Austausch mit gestalterischem Fokus zu fördern. Andererseits bieten wir den Studierenden die Möglichkeit, einen Teil ihrer ECTS durch den Besuch von Kursen an anderen Institutionen zu erwerben. So können sie sich projektspezifische Theorien, Methoden und Kompetenzen aneignen, die das Programm einer Kunsthochschule sprengen. Eine unserer Studierenden arbeitet zum Beispiel an einem digitalen Tool zur Vermittlung von Geschichte im Gymnasium. Um zu verstehen, wie heute Geschichte vermittelt wird, besucht sie als Gasthörerin Kurse an einer pädagogischen Hochschule. Des Weiteren unterstützen wir unsere Studierenden dabei, sich passend zu ihrem Thema Coaches zu suchen, welche nicht aus dem Umfeld der HKB stammen müssen. Dies ermöglicht Kooperationen mit interessanten Persönlichkeiten und den frühzeitigen Aufbau von individuellen Netzwerken. Bisher haben wir mit diesen Kooperationen sehr gute Erfahrungen gemacht –­ Design Research in Aktion sozusagen!

Da der MA Communication Design ein Ausbildungsstudiengang ist, fallen nur normale Studiengebühren an. Einzigartig in der Schweiz ist ebenfalls, dass das Studium in Vollzeit oder Teilzeit absolviert werden kann. So sollen Studierende angesprochen werden, die weiterhin berufstätig sein, ihre Ideen in der Praxis erproben oder um Forschungserfahrung zu sammeln in laufenden Projekten assistieren möchten. Bewerbungen für das nächste Herbstsemester beginnend im September 2016 können noch bis zum 15.03.2016 auf unserer Website eingereicht werden.

Robert, wir danken Dir ganz herzlich für das schöne Interview und umso mehr für den spannenden Austausch der sich darüber hinaus ergab, wir werden dies wiederholen!