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Entdecke Design

*** ein Gastbeitrag von Anna Keilbach *** 

Entdecke Design – dieser Aufruf ist insbesondere an Schüler und junge Erwachsene gerichtet. Durch ein einmaliges Förderprogramm, der im Februar 2011 gegründeten Kultur- und Bildungs-initiative von der Stiftung Deutsches Design Museum und dem Rat für Formgebung, werden Designworkshops an Schulen angeboten. Die Tagesworkshops oder Projektwochen werden individuell entwickelt und auf das Alter, den Schultyp sowie auf thematische Schwerpunkte abgestimmt. Ob Zahnbürste, mobiles Licht, Materialkunde, Bionik, Stühle, Typografie oder Leitsysteme – hier ist die volle Bandbreite vertreten. Zudem bringen namhafte Designer ihr fachliches Wissen mit ein und bearbeiten zusammen mit einer Schulklasse ein Projekt.

Der Schwerpunkt der drei Workshops, die d:t Expertin Anna gemeinsam mit Peter Keilbach bereits in 2015 zusammen durchgeführt haben, zeichnet sich durch die Sensibilisierung der Wahrnehmung aus. Denn genaues Beobachten und Hinterfragen ist essentiell, um ein Verständnis von Formen, Funktionen und Verarbeitungen zu erlangen. Durch kleine Übungen, wie z.B. Frottagen, fotografische Strukturensuche und das Wiedergeben von Logos aus dem Gedächtnis wird das Auge geschult, bevor es mit den Grundlagen der Gestaltung und dem Hauptprojekt weiter geht. Hierbei zählt primär der Entwurfsprozess und nicht das Ergebnis. Um dies den Schülern bewusst zu machen, bedarf es einiger Herausforderungen, da unsere Leistungsgesellschaft sehr stark ziel- und ergebnisorientiert arbeitet. „Wie kann ich ein Produkt entwerfen, wenn ich noch gar nicht weiß, wie es aussehen soll bzw. was ich konkret machen soll.“, äußert sich dazu ein Schüler.

„Hier ist eine andersartige Denkweise gefragt, die uns als Designer auszeichnet. Um dies den Schülern zu vermitteln, helfen z.B. Kreativmethoden aus dem Design Thinking Bereich. Aber auch das genaue Erörtern, das Erfassen einer Problemstellung und deren Verbesserung ist notwendig – denn Designer sind nicht nur bloße Hübschmacher.“ Anna Keilbach

Anhand von den durchgeführten Projekten werden die Schüler Schritt für Schritt an den Prozess herangeführt: Recherche und Analyse, Ideenentwicklung, Skizzen und Prototypen, das Erfassen von Zusammenhängen sowie die Feedbackrunden sind dabei essentiell.

Bei dem Design Workshop mit der 5. Klasse der Werkrealschule in Bieringen, Baden-Württemberg wurden die Schüler nach einer Einführung in die 3-dimensionale Gestaltung neugierig, das Gelernte anzuwenden. Dabei entstanden viele verschiedene, kreative Lösungsansätze die im Maßstab 1:10 angefertigt wurden. Die Modelle wurden aus Rundholzstäben hergestellt. Eine Zwischenpräsentation regte zu neuen Ideen an. Am zweiten Tag wurde eine ausgewählte Idee mit der ganzen Klasse realisiert. In Kleingruppen wurden die Einzelteile mit Hilfe eines Konstruktionsplanes angefertigt und am Ende zu einem großen Sitzmöbel zusammengefügt. Die Begeisterung der Schüler war groß, als das Sitzmöbel im Klassenzimmer aufgestellt und durch den Schulleiter getestet wurde.

In der Berufsschule in Künzelsau haben wir uns intensiv mit 2-dimensionalen Grundlagen und 3-dimensionalen Strukturen für die Leitung und Lenkung von Luft auseinander gesetzt. Ein Raster diente dabei als Arbeitsvorlage. Präzises, strukturiertes und kreatives Arbeiten stand dabei im Fokus und boten für die Schüler eine neue Herausforderung. Die Arbeitsatmosphäre wurde durch Besprechungen und „Exkurse“ angereichert, um somit den Bezug zu realen Projekten herzustellen und die Wichtigkeit der Aufgaben im Grundlagenbereich darzustellen. Projektberichte aus dem eigenen Berufsleben verbesserten die Vorstellung eines Designer-Alltags.

Oftmals muss erst verstanden werden, sich auf einen Entwurf einzulassen und einzusehen, dass das erste Ergebnis nicht unbedingt das Beste ist. Entwürfe zu verwerfen ist im Design selbstverständlich. Deshalb ist es umso wichtiger, die Experimentierfreude zu wecken.

„Der Workshop war für die Schüler eine willkommene Abwechslung und eine neue Erfahrung. Im Schulalltag gibt es eine klare Aufgabenstellung, die nach Erledigung abgeschlossen ist.“

Günter Müller, Lehrer der Berufsschule Künzelsau.

Für die Schüler des Ausbildungsberufes „technischer Produktdesigner“ dieser Schule stellt der Designworkshop vor allem auch eine gute Vorbereitung im Hinblick auf das spätere Berufsleben dar, da sie oftmals mit Produktdesignern eng zusammenarbeiten. Design wird im Rahmen des Workshops dadurch nicht nur in der Öffentlichkeit verankert, sondern junge Menschen werden in konkreten Projekten mit der Gestaltung konfrontiert – die beste Grundlage um so ein Verständnis für Design zu schaffen.

Durch ein vielfältiges Themenspektrum soll in Zukunft noch mehr Begeisterung für die Designworkshops hervorgerufen werden. „Bis 2017 wollen wir 15.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erreichen“, erklärt Lutz Dietzold, Vorstand Stiftung Deutsches Design Museum.

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Weitere Informationen:
Stiftung Deutsches Design Museum
Frau Birgit Quiel | Projektleitung
Friedrich-Ebert-Anlage 49 | 60327 Frankfurt am Main
quiel@deutschesdesignmuseum.de